Sonntag, 25. April 2010

Pécs - Kulturhauptstadt Europas 2010

Unsere Aprilreise führte uns nach Ungarn, in die Kulturhauptstadt des Jahres 2010 - Pécs - das neben Essen im Ruhrgebiet und Istanbul in diesem Jahr mit 1,8 Milliarden Forint, das sind ca. 7 Millionen Euro,  für das Kulturhauptstadtprogramm der EU gefördert wurde.

Die Stadt Pécs mit ca. 160.000 Einwohnern liegt in der Region Süd-Transdanubien, im Komitat Baranya.
Wir traten die Fahrt von Wien weg an, machten Station bei unseren  Freunden, die im Grossraum Sopron ein Domizil haben und fuhren am nächsten Tag gemeinsam unter dem Motto "der Weg ist das Ziel" über Sümeg an der Westseite des Balaton über Kesztzhely nach Süden. Es dauerte lange, bis wir auf dieser Strecke eine Gaststätte fanden, die konvenierte, hatten dann jedoch in einem Ort mit Camping-Platz - Name entfallen - ein gutes Mittagessen und ein ordentliches WC.
Wir haben uns auf diese Fahrt - weil Kulturprogramm - ziemlich gut vorbereitet und im Internet eine Fremdenführerin gefunden, glücklicher hätte es nicht laufen können. Sie erledigte für uns die Hotelreservierung und stellte ein Programm zusammen, wir waren in besten Händen.
Aber das dauerte noch.
Wir erreichten die Stadt Pécs, das Hotel Palatinus in der Innenstadt zu finden sollte für unseren Navi kein Problem sein,  allerdings hatte der nicht mit den vielen aufgerissenen Strassen gerechnet. Pécs ist im Begriffe, eine Runderneuerung zu erhalten und später hörten wir, dass  es praktisch stündlich unerwartete Neuerungen im Strassenverkehr gab - Strasse aufgerissen - hier gesperrt, hier Einbahn usw., bravo, es begann gut.
Nach vielen vergeblichen Runden, die uns immer wieder zu einen neuen Baugrube brachten, begab sich unser lieber Herbert zu Fuss zum Hotel, um die Route zu erfragen. Er kam mit der Hausdame zurück, die uns den Weg zur Hotelgarage zeigen - wollte - nach Anlaufschwierigkeiten nahmen wir die Hürde bravourös und gelangten in die Garage des Hotels.
Von da weg lief alles wie am Schnürchen. Mitten in der kultur- und geschichtsträchtigen Innenstadt wohnend machten wir uns auf Erkundungstour, denn die Führung hatten wir für nächsten Morgen vereinbart.
Unseren ersten Kaffee tranken wir im "Elefanten Haus" am Jókai tér 6  und genossen im ersten Schanigarten von Pécs die wahrlich mediterrane Athmosphäre. Mildes Klima, Blütenpracht, ein Kaffee wie in Italien (nicht wie in Wien, denn das Glas Wasser mussten wir extra ordern), freundliche Menschen, alles war paletti.

Später bewunderten wir den Hauptplatz der Stadt, den Széchenyi-tér, wo noch letzte Fertigstellungsarbeiten vollzogen wurden, nach einen Wettbewerb hat man sich für die Variante des Zupflasterns entschieden.




Die vielfältigen Sehenswürdigkeiten wurden uns am nächsten Tag von unserer Reiner Monika in schönstem Deutsch erklärt, auf dem Bild gibt es den berühmten Zsolnay Brunnen mit der typischen Eosin Glasur zu sehen, die Pestsäule hinter dem Reiterdenkmal des Hunyadi János (Besieger des türkischen Heeres 1546 in Belgrad, seither läuten in Ungarn die Mittagsglocken zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht) und besonders interessant der Dschami (Moschee) des Pascha Gazi Khassim.






Ursprünglisch stand auf diesem Platze die gotische Kirche des hl. Bartholomäus, diese wurde von den Türken kurzerhand abgetragen und aus den Steinen ein Dschami errichtet.
Nach der Befreiung von der fast 150 Jahre dauernden Türkenbesatzung wurde die Moschee wieder in eine Kirche umfunktioniert, die osmanischen Elemente wie Eselrückenfenster, Tropfsteingewölbe im Innenraum sowie die Ausrichtung nach Osten blieben erhalten, einzigartig ist das Nebeneinander des türkischen Halbmondes mit dem katholischen Kreuz.
An der gegenüberliegenden Seite des Platzes liegt die Kirche der Barmherzigen Brüder, ausserdem konnten wir von den Kirchen der Stadt, deren Name ja "Fünfkirchen" bedeutet, die Kathedrale besichtigen, deren Ursprung auf die Römer zurückgehen soll. Anstelle der Unterkirche stand vermutlich eine frühchristliche Basilika, die Kirche wurde im romanischen Stil erreichtet, während der Türkenherrschaft wurden den Skulpturen die Köpfe abgeschlagen, die Kirche als Pferdestall und Getreidespeicher benutzt, nach den Türken wurden verschiedene Umbauarbeiten vorgenommen, für uns Wiener ist interessant, dass die Kirche schlussendlich durch den Erbauer des Wiener Rathauses  Friedrich von Schmidt die heutige Form erlangte.



 

  

 Pécs, das damalige Sopianae, lag in der römischen Provinz Pannonia. Bei archäologischen Ausgrabungen wurde ein  Friedhofsareal aus spätrömischer Zeit in unmittelbarer Nähe zum Dom gefunden. Es  wurden hier bisher 16 Grabkammern, mehrere Tausend Gräber sowie in den Gräbern gefundene Gegenstände freigelegt.
Eine besonders interessante Kulturstätte, für die die Zeit unseres Besuches nicht reichte.

Auf unserem Programm standen noch neben der Zsolnay Porzellanfabrik und dem Szabó Marzipanmuseum die Weingegend Villány auf dem Abendprogramm - die Donauschwaben wurden in dieser Gegend angesiedelt und betreiben heute noch Weinbau und sind eine deutschsprachige Minderheit.

Von unserem hervorragendem Taxi-Fahrer wurden wir in diese Gegend kutschiert. Sollte jemand in Pécs ein Taxi benötigen, die Nummer 10 heisst Gergely und ist der netteste Taxler, den man sich vorstellen kann - auf der Fahrt in die Kellergasse des Weinortes Villánykövesd brachte er uns - alles von unserer  Fremdenführerin arrangiert -  zur Wallfahrtskirche Máriagyüd





ein besinnlicher Ausflug

Den Abend liessen wir mit einer "Kellerpartie" ausklingen. Im Weinkeller im Ort Villánnykövesd, bei einer schwäbischen Winzerfamilie, gab es eine zünftige Jause mit
ungarischer Musikbegleitung und danach eine Weinprobe im Keller

 
 
Am Kellergewölbe sieht man Münzen kleben: wer eine Münze hinpickt, kommt wieder, heisst es!
 
 

nicht vergessen, Taxi Nummer 10



Es gibt noch sehr viel zu erzählen über Fünfkirchen, über unsere Rückreise und die Zwischenstationen.
Wir hatten Glück, schönes Wetter, freundliche Menschen, ein tolles Ambiente im Jugendstilhotel und eine kompetente Reiseführerin.

  

Kommentare:

  1. Hallo, fein eure Beschreibung dieser kleinen Reise. Jedesmal wenn ich Balaton lese denke ich an Piroschka und Lilo Pulver. Schönen Sonntagabend noch, L.G. Petra B.

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  2. Schöne Bilder. Informativer Bericht. Danke für die Mühe.

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  3. Hallo, ich hab noch nie mit Giess-Ton gearbeitet, kann mir aber denken dass sowas auch funktioniert.
    Na ja, ich will diese Betonornamente zur Verzierung einer genmauerten Säule mitten im Garten gegenüber der Ruine anwenden. Und für einen gemauerten Brunnen....wo der Teufel hockt und ständig Wasser speit....
    Lieben gruss, Petra B.

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  4. Na, hat unsere EU wieder ein paar Milliönchen nach Istanbul überwiesen?
    In Pecs ist das Geld besser aufgehoben, wir waren auch scho da, eine sehr schöne Stadt.
    Petra, Ungarn hat mit Piroskaromantik so viel gemeinsam wie die Katze mit dem heissen Blechdach ;-).

    Gruss, Alex, der sich gestern den ersten Sonnenbrand des Jahres geholt hat

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